Gestern hatten wir eine unschöne Situation, wo ich im mich frage, wie ich das hätte besser hinbekommen können.
Momentan ist das Töchterchen zu Besuch und wie jeden Freitag stand für mich der Ergotherapie-Termin auf dem Plan. Meine „Ärger“-Therapeutin, wie ich sie liebevoll nenne, hat ihre Praxis in Dortmund und damit Fahren mit ÖPNV und anschließendes Stadttraining.
Da das Töchterchen noch in ein spezielles Geschäft in der Dortmunder Innenstadt wollte, hatten wir überlegt, einfach etwas früher nach Dortmund zu fahren. Also haben wir entschieden, dass sie uns auf der Arbeit abholt und wir dann direkt zur Bushaltestelle auf der anderen Seite meiner Arbeitsstätte in Richtung Kamen fahren.
Die Planung stand, ich bekam die Nachricht vom Töchterchen, dass sie nun losgeht und stellte fest, dass ich vor der Abfahrt noch auf die Toilette gehen sollte.
Jetzt kann gerne der Spruch kommen, dass Frauen ja nie alleine aufs Klo gehen — in meinem Fall ist das auch korrekt, denn Luna kommt mit. Luna darf die Toilettentür von innen schließen und später wieder öffnen, um sie dann von außen wieder zuzuziehen.
Im Büro habe ich meinen Rechner heruntergefahren und meine Sachen gepackt. Luna wusste somit, dass es nach Hause geht. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich vorher noch die Toilette aufsuchen wollte. Das hatte sie schon ein wenig aus dem Konzept gebracht, was im Alltag jedoch kein wirkliches Problem darstellt. Zwar geht sie dann zuerst zur Tür, kommt aber schnell zurück, wenn sie merkt, dass ich den Abstecher auf die Toilette mache.
So auch gestern. Nur, dass diesmal das Töchterchen von außen vor der Tür stand. Nun muss man wissen, dass Luna ihre Zweibein-Geschwister (also meinen Sohn und meine Tochter) immer mit hoher Erregung begrüßt — so als hätte sie diese Ewigkeiten nicht gesehen. Das Töchterchen vor der Tür war also ein Trigger und die erste Entscheidung musste sie treffen: begrüße ich die Zweibein-Schwester oder ignoriere ich sie und gehe mit auf die Toilette.
Da sie erst mal nicht gebellt hat, hat eine Arbeitskollegin in der ersten Etage meine Tochter vor der Tür warten sehen und hat mich von oben gerufen, um mir das mitzuteilen.
Hier kam dann das nächste Problem auf Luna zu, denn ich habe — einfach, weil ich nicht auf das Rufen geachtet habe und ich das damit einfach ignoriert habe — nicht reagiert, worauf Luna dann angefangen hat zu bellen, um zu signalisieren „hier ist Mama!“
Die Kollegin kam dann auch direkt die Treppe herunter und wollte mir mitteilen, dass meine Tochter vor der Tür wartet — da klingelte dann mein Telefon. Das Töchterchen war dran und sagte, dass sie vor der Tür steht.
Ich erklärte ihr die Situation und sagte, dass sie einfach bitte noch mal 2 Minuten warten sollte, da ich noch eben schnell auf die Toilette gehen wollte. Natürlich hat Luna dann die Stimme vom Töchterchen (auch durch die Eingangstür) gehört und das Töchterchen rückte erneut in den Aufmerksamkeitsfokus. Die Aufforderung Lunas an die Kollegin doch mal bitte die Tür zu öffnen, endete damit, dass der Chef mit dem Auto am Seiteneingang vorfuhr, die Kollegin die Tür geöffnet hatte. Luna stand noch vor der Haupttür und bellte, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Töchterchen davor stand.
Kurzum: der Chef ging zur Haupttür und öffnete diese, da er ja nicht wusste, dass das Töchterchen davor stand und einfach nur wartete. Durch Körpereinsatz hat er Luna davon abgehalten, dass diese durch die Tür entwischt.
Luna jedoch ist ein denkender Hund und hat dann die Sekunde genutzt, um aus der Seitentür raus nach vorne zum Töchterchen zu laufen — obwohl sie noch nie durch die Tür gegangen ist, da diese eine Stufe davon hat.
Luna und Töchterchen sind dann ins Gebäude gekommen und danach konnte ich auch — mit Lunas Hilfe — problemlos auf die Toilette gehen. Luna hat, da die ganze Situation nun sich geklärt hatte, wie immer sehr zuverlässig ihre Aufgaben erledigt.
Allerdings waren die wenigen Minuten vorher Chaos pur gewesen. Luna hatte auf den Rückruf zu mir nicht reagiert, weil die Tür offen war und das Töchterchen davor stand. Absoluter Interessenskonflikt und ein Problem der Priorisierung. Durch die gute Bindung zum Töchterchen spielten Emotionen natürlich auch eine große Rolle und die Freunde, sie zu sehen ist einfach extrem hoch.
Letztendlich hätte ich die Situation einfach anders handhaben müssen, damit Luna nicht in so einem Gedankenkonflikt kommt. Ich hätte warten sollen bis das Töchterchen im Gebäude ist, Luna sie überschwänglich begrüßen kann, um dann anschließend in Ruhe auf die Toilette gehen zu können. In der Situation selbst war ich jedoch auch einfach überfordert und die Ereignissen strömten nur auf uns ein.
Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei meinem Chef entschuldigen, dass Luna ihn angebellt hat und versucht hat, an ihm vorbei nach draussen zu gehen. Es muss echt so ausgesehen haben, dass sie total ungehorsam ist — was sie definitiv nicht ist, aber einfach in der Situation auch mit den ganzen Anforderungen und den aufgekommenen Emotionen überfordert war.


Schreibe einen Kommentar