Mein Unfug-Zwerg

Mein Unfug-Zwerg

Luna ist Ende Mai 2023 geboren und damit erst (oder schon?) 2,5 Jahre alt. Und Luna ist ein Golden Retriever, denen man nachsagt, dass sie eher Spätentwickler sind und erst mit ca. 3 Jahren mit der Pubertät durch sind.
Wissenschaftlich erwiesen ist inzwischen, dass die Pubertät von Pferden und Hunden denen des Menschen ähneln. Nicht nur der Körper verändert sich, sondern auch das „Wesen“. Hormone haben Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden. Stimmungsschwankungen und Gefühlschaos sind absolut normal.

Bei Hunden ist dieses tatsächlich auch der Fall. Das hormonelle Chaos sorgt auch für „Glitzerknete“ im Kopf. Die Pubertät verläuft dabei in Phasen, wobei zwei größere Hunde-Pubertätsphasen allgemein bekannt sind. Die zweite große Pubertätsphase hatte Luna Anfang des Jahres. Sämtliche Signale waren für 2-3 Monate nicht mehr vorhanden. Sagte ich „Sitz“, schauten mich zwei rehbraune Äuglein an und man konnte förmlich die Gedanken lesen „Ja, das Wort habe ich schon mal gehört. Keine Ahnung, was das bedeutet?“ und es passierte nichts. Der Rückruf verschwand in der Glitzerknete und die bis dahin erlernten Hilfeleistungen verpufften im Pubertäts-Nirwana. Das war eine für mich echt frustrierende Phase, die mir das eine oder andere graue Haar geschenkt hat.

Wer nun glaubt, dass damit die Pubertät beendet ist, liegt absolut falsch. Zwar reagiert Luna wieder auf Signale und führt sie sehr zuverlässig aus, aber sie hat auch immer noch ihre „wilden 5-Minuten“. Dann schlägt die Glitzerknete zu und Luna wird zum Unfug-Zwerg. Allerdings tatsächlich nur dann, wenn sie nicht gerade im Dienst-Modus ist und ihre Kenndecke trägt, sondern wenn sie im Freizeit-Modus ist — also „ganz normal Hund sein darf und soll“.

Die letzten Wochen zeigte sich in ihrem Verhalten schon, dass sie momentan wieder ein kleines Pubertätshoch hat und die Glitzerknete mal wieder aktiv ist. Sie versucht dann immer wieder die Grenzen auszutesten. Sie weiß genau, was sie darf und was. Ist die Glitzerknete aktiv, dann wird Luna zu Madame Provokateurin. Anstelle eines Signales direkt auszuführen, überlegt sie dann, ob sie das machen soll. Statt sofort sich z.B. hinzusetzen, schaut sie einen erst mal 10 Sekunden lang an und bewegt dann ihren Fellpopo Richtung Boden. Im Freilauf rennt sie gerne mit Tempo und überschreitet dabei die Entfernung, die noch in Ordnung ist. Sie wird zum Unfug-Zwerg und macht aus der Rolle Toilettenpapier Konfetti.

Wer Luna gut kennt, dem fällt das Provozieren auf. Als wir das Töchterchen in Augsburg besucht haben, meinte sie schon „oh, da provoziert jemand aber gerade wieder mal“. Spannend dabei ist, dass Luna nur bei mir provoziert. Bei anderen wie z.B. dem Töchterchen hört sie aufs Wort und ist dort das „liebste Hündchen der Welt“. Pubertät halt. Und tatsächlich ähnelt sich da das Verhalten von Luna extrem dem pubertären Verhalten vom Töchterchen damals – Töchterchen sagte schon mehrfach scherzhaft „die ist wie ich früher“.

Am Freitag provozierte sie im Freilauf, indem sie einfach ein kleines Stückchen zu weit entfernt gelaufen ist. Mehrfach musste ich sie mehrfach zurückrufen und ihr somit zeigen, dass sie die Grenze überschritten hat. Konsequenz ist halt wichtig. Dann waren am Freitag auch ihre Hundefreunde nicht da. Im Nachhinein betrachtet, hat sich da wohl etwas zu viel Frust aufgebaut. Dann war ich auch noch so gemein und habe ihr nicht erlaubt, den einen Kilometer über das Feld zu rennen, um ihre Pferdefreunde zu besuchen.
Als wir dann gegenüber von unserer Straßenseite durch das Neubaugebiet gegangen sind, kamen die „wilden 5 Minuten“. Ein kurzer Blick von Luna über die Schulter und dann gab sie Gas. Mein schnell ausgestoßenes „Nein“ wurde, ebenso wie der Rückruf, ignoriert – und ehe ich mich versehen hatte, war der Fellpopo durch einen Vorgarten eines Hauses über die Terrasse in den Garten einer dort wohnenden Familie verschwunden.
Normalerweise kommt sie dann nach wenigen Sekunden wieder, die sich für mich wie eine Ewigkeit anfühlen – mit einem „Lächeln im Gesicht“ und dem Ausdruck „das musste jetzt mal sein“. Am Freitag jedoch nicht. Sie kam nicht, hörte nicht auf den Rückruf. In mir kam langsam Panik auf – so war es noch nie.

Vorsichtig betrag ich das Grundstück auf dem sie verschwunden ist. Rufend, mich ankündigend. Auf der Terrasse kamen mir dann 3 Personen entgegen: Mutter mit ihrer Tochter und dem erwachsenen Sohn. Und mein Unfug-Zwerg. Mit nassem Fell, über den Boden kriechend, mich mit einem Blick anschauend, der mir klar machte, dass sie genau wusste, dass sie richtig Mist gebaut hat.

Doch was ist passiert?
Luna hat Wasser in der Nase gehabt, als die Glitzerknete zugeschlagen hat. Nicht nachdenkend ist sie losgerannt und in den Pool der Familie gesprungen. Ohne zu bremsen, ohne zu schauen, ohne nachzudenken. Allerdings war der Pool schon winterfest gemacht worden: ein Großteil des Wassers war schon abgelassen, die Treppe zum Rein- und Rausklettern entfernt und das Wasser mit einer Folie abgedeckt. Luna hatte nach der Landung auf der Folie, die dann ins Wasser abgesackt ist, keine Chance gehabt, den Pool eigenständig zu verlassen. Zum Glück hatte die Familie, die in dem Haus wohnt, dieses mitbekommen und der erwachsene Sohn hat Luna dann aus dem Pool „fischen“ können.

Mit einem nassen Unfug-Zwerg ging es dann nach Hause. Bademantel an, ab auf die Decke. So eingeschüchtert habe ich Luna noch nie erlebt – aber ich war bisher auch noch nie so sauer und so beschämt. Da Luna extrem feinfühlig ist, hat sie bestimmt mein Gefühlschaos aus Panik, Angst, Sorge, Wut, dass sie so einen Unfug angestellt hat, Glück, dass nichts passiert ist.

Am nächsten Tag habe ich der Familie ein Blümchen übergeben – mit einer großen Entschuldigung und der Nachfrage, ob bei Lunas Aktion irgendetwas kaputt gegangen ist. Dies war nicht der Fall, vielmehr hat sich die Familie direkt erkundigt, ob mit Luna alles in Ordnung ist.

Die Nachbarschaft kennenlernen – mal anders. Ich hoffe nur, dass den Poolbesitzern beim Betrachten der Pflanze ein Lächeln auf den Lippen bekommen. Zumindest haben sie nun eine außergewöhnliche Geschichte von einem Hund zu erzählen, der plötzlich aus dem Nichts mit Schwung in ihren Pool gesprungen und aus diesem dann gerettet werden musste.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert