Wenn Goldie-Dickkopf auf Sensibilität trifft

Wenn Goldie-Dickkopf auf Sensibilität trifft

Für die Prüfung zum anerkannten Assistenzhund – wenn diese irgendwann wieder möglich sind – muss Luna verschiedene Assistenzleistungen sicher und zuverlässig durchführen:

  • Aufheben von Gegenständen und mir bringen
  • Helfen beim Ausziehen
  • Tragen von Gepäck in Gepäcktaschen
  • Auslösen eines Notfallknopfes, um Hilfe zu holen
  • Öffnen und Schließen von Schranktüren und Schubladen

Luna kann aber inzwischen deutlich mehr und wir machen solange weiter, wie es uns Spaß macht.

Nach dem Öffnen und Schließen von Schranktüren hat Luna gelernt auch normale Türen zu öffnen und zu schließen. Auch wenn es gewisse Parallelen gibt, existieren etliche Unterschiede. Eine Tür ist deutlich schwerer, so dass mehr Kraft nötig ist. Ist die Tür geschlossen, so muss zunächst die Klinke „heruntergedrückt“ werden, damit die Tür aufgezogen werden kann. Während Schranktüren und Schubladen nach dem Prinzip „Ziehen am Strick“ zum Öffnen und „Anstubsen mit der Nase“ zum Schließen benötigt werden, sieht es bei Türen anders aus, je nachdem ob eine Tür nach Innen oder Außen geöffnet oder geschlossen wird. Beim Öffnen muss zudem erst einmal die Klinke heruntergedrückt werden.

Auch gibt Luna zuverlässig meine EC-Karte an der Kasse, meine Versichertenkarte bei Ärzten oder in Apotheken sowie Kugelschreiber, Verordnungen etc bei Krankengymnastik oder Ergotherapie-Tresen ab und nimmt entsprechend Karten, Stifte oder Kassenbons entgegen und gibt sie mir.

Am Arbeitsplatz hat Luna gelernt, eine bestimmte Person ausfindig zu machen. Im nächsten Schritt wird sie lernen, diese Person auf Signal aufzusuchen und zu mir zu bringen. Das ist schon nicht so einfach, denn dafür muss sie in das erste Obergeschoss, wo ich (noch) nicht hinkomme. Da wir diesen Task nicht täglich bzw. regelmäßig üben (können), dauert es halt etwas länger.

Eine Tasche im Maul tragen ist eine weitere Aufgabe, die Luna seit längerer Zeit erfolgreich meistert. Aber warum nur eine Tasche tragen? Genau diese Frage habe ich mir vor einigen Tagen gestellt und mir gedacht, dass es doch super wäre, wenn Luna mir auf der Arbeit Getränke holt. Die Getränkeflaschen stehen auf dem Boden in meinem Büro, in einer Kiste. Luna muss also verschiedenes lernen: zur Kiste gehen, dort eine Flasche herausnehmen und mir anschließend bringen.
Das größte Problem dabei ist, dass Luna einfach sehr sensibel ist, wenn es darum geht, Dinge in ihre Schnute zu nehmen. Daher besteht für uns der erste Schritt darin, dass sie generell lernt, alle möglichen Sachen auf Signal ins Maul zu nehmen und sie (kurzzeitig) festzuhalten. Verschiedene Gewichte (langsam steigend), verschiedene Formen, verschiedene Materialien.
Hundetrainer würden jetzt stutzig werden und fragen: „Wo ist das Problem? Luna bringt doch alle möglichen Gegenstände zu dir, sogar Metallbesteck!“

Richtig. Wenn der Gegenstand auf dem Boden liegt oder ich ihn „versehentlich“ fallen lasse, dann bringt sie ihn mir den auch zuverlässig zu mir. Aber wenn ich ihr den hinhalte und „nimm“ sage, dann unterscheidet sie zwischen „nehm ich gerne in die Schnute“ und „ich drehe meinen Kopf weg, will ich nicht“. Luna ist halt ein Sensibelchen. Weiche Sachen wie eine Packung Taschentücher, ihr Spielzeug aus Plüsch, die zudem relativ leicht sind, nimmt sie ohne Probleme ins Maul… auch wenn sie so sperrig wie einige ihrer Kuscheltiere sind.

Luna sitzt im Bett und hat ihr Kuscheltier, einen großen IKEA Goldie, im Maul.

Eine kleine Plastiktüte ist ok, ein Zip-Gefrierbeutel nicht. Ein Brief ist ok, eine Papiertüte mit 50g Inhalt ist es nicht. Hier trifft also der Goldie-Dickkopf mit „was ich nicht will, das will ich nicht“ auf das Sensibelchen im Bereich der Schnute. Eine echt anstrengende Mischung.
Man mag es kaum glauben, aber da halte ich ihr eine Papiertüte mit Leckerchen hin, sie nimmt die Tüte zwischen die Zähne. Anstelle die Zähne zusammen zu halten, damit die Tüte in der Schnute bleibt, spuckt Luna diese fast förmlich aus und stellt dann fest, dass sie auf dem Boden liegt. Da gehört sie ja gar nicht hin, also nimmt sie die — natürlich mit der Schnute! — auf und gibt mir die in den Schoß.

Mit viel Übung, gutem Zureden (ja, ernsthaft!) mit den Worten „hey, du bist gut, du schaffst das“ und Belohnung klappt es immer besser. Als nächstes wird dann allmählich das Gewicht gesteigert und auch die Sperrigkeit der Gegenstände variiert.

Aber eins weiß ich jetzt schon: wir werden es schaffen — auch wenn sich der Goldie-Dickkopf mit „nee, will ich nicht, mag ich nicht“ und das Sensibelchen „nee, das mag ich aber nicht in meiner Schnute“ verbünden!

Kommentare

Eine Antwort zu „Wenn Goldie-Dickkopf auf Sensibilität trifft“

  1. Avatar von Susanne
    Susanne

    Was für eine coole Socke deine Luna.

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