Auf der Liste stand heute ein Zahnarztbesuch. An einem Backenzahn war mit der Zunge ein Loch fühlbar und eine sehr scharfe Kante. Keine Ahnung warum, aber es schien etwas von der Füllung herausgebrochen zu sein.
Zahnarztbesuche sind für mich immer mit einem Haufen Angst verbunden. Im Sommer war ich schon mal (auch wegen dem gleichen Zahn!) dort und hatte Luna nicht mitgenommen — heute durfte (oder musste?) sie mit.
Neue Umgebungen mit unbekannten Geräuschen oder Gerüchen sollte man eigentlich üben und nicht erst im Ernstfall erproben – aber sowas ist leichter gesagt als getan. Also war es heute Ernstfall und Übung vorher war nicht.
Vor der Zahnarztpraxis lief in einigem Abstand ein Eichhörnchen über die Straße. Vor nicht mal einem halben Jahr wäre Luna freudig aufgeregt neben mir hochgesprungen — heute gingen nur die Ohren hoch und es wurde geschaut. Nur geschaut, sonst nichts. Mein Mann, der uns begleitet hat, hatte dieses gar nicht mitbekommen. Weder hat er das Eichhörnchen gesehen, noch Lunas Reaktion mitbekommen. Für ihn war alles so wie vorher. Tschakka…so muss es sein!
In der Zahnarztpraxis anmelden, ab ins Wartezimmer. Keine Probleme, Luna lag dann neben mir und hat gedöst, während ich auf einem ipad was ausfüllen musste. Nach einer Weile wurden wir aufgerufen und gingen dann zu dritt in den Behandlungsraum. Meinen Mann hatte ich extra zur Sicherheit mitgenommen, denn hochfrequente Geräusche wie der Zahnarztbohrer oder auch die neuen Gerüche kannte Luna noch nicht. Und ich hatte keine Ahnung, ob sie damit ein Problem hat.
Im Behandlungsraum musste Luna erst mal arbeiten: Jacke und Mütze ausziehen. Vor zwei Tagen hatten wir bei der Krankengymnastik warten müssen. Die Wartezeit haben wir damit verbracht, Luna das Öffnen des Reißverschlusses der Jacke Schritt für Schritt beizubringen. Nach ein paar Anläufen hat das auch schon sehr gut geklappt und im Behandlungsraum des Zahnarztes habe ich mal sehen wollen, ob sie immer noch weiß, wie das geht. Kurzum: ja, sie kann es. Es fehlt zwar noch der Feinschliff, aber der kommt mit der Zeit und der Übung. Als die Jacke ausgezogen war, hab ich Lunas Decke in die eine Ecke gelegt und sie musste dann um den Behandlungsstuhl herumlaufen, um sich dahin zu legen. Das fand sie wohl gar nicht gut, also hat sie erst mal gemeckert / gebellt, um ihren Unmut auszudrücken. Vielleicht aber auch, weil die Zahnärztin im Raum stand und ich gefühlt schon mit meiner Angst zu kämpfen hatte.
Ich erklärte der Zahnärztin, dass Luna jetzt mit vielen neuen Eindrücken konfrontiert ist. Sowohl die Zahnärztin als auch die Helferinnen waren verständlich und als ich die Zahnärztin gebeten hatte, den Boher erst mal ausserhalb des Mundes einzuschalten, war das kein Problem. Für Luna muss das Geräusch ja noch schlimmer sein als für mich. Wenn sie also das Geräusch hört und daraufhin bellt, sich die Zahnärztin erschreckt — nein, daran wollen wir besser nicht denken. Die Zahnärztin hat also den Bohrer über einem Becher eingeschaltet. Lunas Ohren gingen kurz hoch und sie entspannte sich direkt wieder. Die Zahnärztin konnte also ohne Probleme arbeiten, während Luna entspannt auf ihrer Decke lag.Entsprechend konnte dann auch die Kante abgeschliffen werden, ohne das Luna sich bewegt hat. Super – genau so sollte es sein! Das alles ohne Übung, ohne Vorbereitungszeit. Bis auf den Beller vor der Behandlung war Luna echt Profi: Zahnarztbesuche mit Assistentin Luna sind also auch möglich.
Direkt danach sind wir erst mal eine große Runde in den danebenliegenden Park spazieren gewesen. Luna natürlich im Freizeitmodus – ohne Kenndecke, dafür mit Geschirr und langer Laufleine. Normalerweise hätte ich sie ohne Leine laufen lassen können, aber da dort mehrere Teiche sind, war ich mir sehr sicher, dass Luna mit Anlauf ins Wasser gesprungen wäre. Auch bei den heutigen 6 Grad. Wasserhund halt.
Auf dem Rückweg mussten wir wieder durch die Innenstadt — wo der Weihnachtsmarkt inzwischen geöffnet hatte. Momentan sieht man auf den sozialen Medien immer wieder Beiträge mit KI-generierten Bildern, dass Hunde auf Weihnachtsmärkten nichts zu suchen haben.
Ich sag es mal so: für den normalen Haushund ist ein Weihnachtsmarkt mit viel Stress verbunden. Die vielen unterschiedlichen Gerüche, die vielen Geräusche und die Menschen sind für viele beängstigend. Entsprechend tragen diese dann auch die Rute eingeklemmt zwischen den Hinterläufen und signalisieren so, dass sie sich überhaupt nicht wohlfühlen.
Luna hat jedoch im Gegensatz dazu ein intensives Training durchlebt: in vielen kleinen Schritten, ohne Überforderung und über mehrere Monate hat Luna gelernt, dass Menschenmengen kein Grund für Angst oder Stress sind. Entsprechend war mir klar, dass für Luna das Queren des Weihnachtsmarktes kein Problem darstellt. Die ganze Zeit lief sie ruhig neben mir, hat andere Hunde und Menschen ignoriert.
Am Ende der Fußgängerzone befindet sich ein Supermarkt. Als wir vor diesem waren, meinte mein Mann, dass er ja schnell noch die fehlenden Lebensmittel kaufen könnte. Zur Vorgeschichte muss ich sagen, dass der Supermarkt vor wenigen Monaten den Besitzer gewechselt hat. Den vorherigen Besitzer hatten wir gefragt, ob wir mit Luna den Supermarkt betreten können. Da Luna ja, solange die Zertifizierungen auf Bundesebene noch nicht möglich sind, noch als „Assistenhund in Ausbildung“ gilt, ist der Besuch von Supermärkten abhängig von der Kulanz des Inhabers. Der damalige Inhaber hat uns den Zutritt nicht erlaubt, da er ansonsten Probleme mit dem Ordnungsamt bekommen würde (was jedoch eine Falschaussage war, wie das Ordnungsamt mir auf Nachfrage mitgeteilt hat). Dennoch haben wir uns daran gehalten und daher den Supermarkt noch nie als Mensch-Assistenhund-Team betreten.
Heute jedoch hab ich mir gesagt „das schlimmste ist, dass wir Hausverbot bekommen“ und der Entschluss meinen Mann in den Supermarkt zu begleiten stand fest. Luna noch vor dem Supermark auf die Grünfläche geschickt mit dem Signal „geh Pipi machen“. Eine andere Hundebesitzerin hatte das mitbekommen und tatsächlich irritiert den Kopf geschüttelt, als Luna sich tatsächlich hingehockt und sich erleichtert hat.
Im Supermarkt hat sich Luna wieder super benommen. Kein Schnüffeln an Auslagen. Bin ich stehen geblieben, hat sie sich neben mich gesetzt. Andere Menschen wurden ignoriert. Angesprochen wurden wir nicht, auch nicht an der Kasse. Scheinbar war es offensichtlich an ihrem Verhalten zu erkennen, dass Luna keine „Fake-Kenndecke“ trägt, sondern Assistenzhund ist.
Der heutige Tag hat mal wieder in vielen Punkten gezeigt, dass Luna inzwischen definitiv nicht mehr „in Ausbildung“, sondern schon fast ein richtiger Profi ist. Und ich bin einfach nur stolz und zufrieden. Was für eine tolle Begleiterin!


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