Ja, die liebe Rentenversicherung.
Ich habe ja einen Antrag auf KFZ-Hilfe gestellt, denn mein Auto ist inzwischen über 13 Jahre alt und entwickelt die eine oder andere Macke, welche nur mit teuren Reparaturen beseitigt werden können.
Die Notwendigkeit ergibt sich aus meiner beruflichen Tätigkeit, wo Dienstreisen anfallen. Jedoch gibt es nur wenige im Vorfeld bekannte Dienstreisen, sondern vielmehr kann jeder Firmenkunden meine Expertise anfordern – deutschlandweit. Auch kann nicht genau gesagt werden, welche Dienstreisen anfallen werden – das hängt halt von verschiedenen Faktoren ab. Bekannt sind nur verschiedene Messen und fest definierte Treffen mit unseren Partnern. Genau so wurde es auch im Antrag formuliert.
Wer Unna kennt, der weiß: Unna hat keinen barrierefreien Bahnhof. Wenn man in Richtung Dortmund fahren möchte, dann fährt der Zug in der Regel von dem Gleis ab, der mit einem Fahrstuhl zugänglich ist. In Richtung Hamm / Münster hingegen kommt man nicht mit E-Rollstuhl zum Gleis, da es hier nur eine Treppe gibt und einen dauerhaft defekten Treppenlift. Auch wenn der Treppenlift funktionieren sollte, so können nur Personen mit Aktivrollstuhl diesen benutzen, da dieser nur eine Tragkraft von maximal 225 kg hat. Das wiegen E-Rollis oft schon ohne „Inhalt“.
Kurzum: Fahren mit Bus und Bahn für Dienstreisen ist so nicht möglich. Das nicht nur wegen der nicht vorhandenen Zuverlässigkeit der Bahn, der notwendigen Hilfeleistungen beim Ein-, Um- und Ausstieg, sondern auch weil der nächste Fernbahnhof mindestens 20 km entfernt ist (Dortmund bzw. Hamm).
Das nächste Problem ist, dass es in vielen Städten und Gemeinden keine Taxis gibt, die Rollstuhltransporte mit E-Rollstühlen durchführen können, sondern dass dieses nur Krankentransportunternehmen oder Hilfsorganisationen wie das DRK, Maltester, Johanniter machen. Da für den Transport von E-Rollis spezielle Rampen oder Hublifte aufgrund des Gewichts und ausreichend Platz im Fahrzeug nötig sind, gibt es nicht viele solcher Fahrzeuge, sondern die vorhandenen Fahrzeuge werden für Fahren von Behinderten zu Schulen oder Werkstätten eingesetzt. In der Regel sind die Fahrzeuge im Alltag belegt und man kann nur für gewisse Zeitfenster einen Transport „ausserhalb der Reihe“ ermöglichen. Bei der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn kann es also sein, dass man an einem Bahnhof landet und von dort nicht wegkommt – da der Rollstuhltransport nicht zeitig durchgeführt werden konnte. Oder, je nachdem wann man am Zielbahnhof ankommt, gar nicht stattfinden kann, da das Transportunternehmen schon Feierabend hat. Kurzum: Dienstfahrten mit der Bahn sind nicht möglich.
Auch die Vor-Ort-Mobilität kann ohne Auto eben aus den oben aufgeführten Gründen nicht sichergestellt werden. Oft ist unklar, wann ein Kundentermin, wann die Diskussionsrunde mit den Partnern oder wann die Messeveranstaltung genau endet.
Genau dieses wurde bereits im KFZ-Hilfeantrag ausführlich ausgeführt. Damit wurde natürlich auch begründet, warum ein Kostenvoranschlag für einen entsprechenden Taxitransport nicht beigelegt werden kann. Einen Kostenvoranschlag einer Dienstreise nach Sylt? Nach München? Nach Berlin?
Was soll ich sagen. Innerhalb von zwei Wochen bekam ich ein Schreiben der DRV mit dem folgenden Inhalt:

Ganz ehrlich? Ich fühlte mich ziemlich veräppelt.
Für die Beantwortung der Fragen an den Arbeitnehmer wurde ich von der Geschäftsführung meiner Firma gebeten, etwas vorzuformulieren. Und genau hier kam dann ChatGPT ins Spiel. Alleine das Abschicken des Prompts
Formuliere bitte sachlich und wertschätzend „Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?“
brachte mir schon ein gewisses Grinsen auf die Lippen. Die Antworten von ChatGPT waren dann aber echt der Knaller: „Könnten Sie bitte noch einmal prüfen, ob alle relevanten Aspekte berücksichtigt wurden?“
Nach und nach wurden dann die Promps spezifischer und letztendlich hat ChatGPT eine gute erste Version der Antworten auf die Fragen ausgearbeitet. Von „was bitte haben Dienstfahrten mit Schwerbehinderung zu tun. Dürfen Schwerbehinderte keine Dienstfahrten machen, nur weil sie schwerbehindert sind? Was ist mit Inklusion? Schon mal was davon gehört?“ wurden sachliche Antworten generiert, die letztendlich ein Kollege zum Korrekturlesen bekommen hat.
Und was habe ich daraus gelernt? ChatGPT kann echt gut helfen, Texte zu formulieren, insbesondere dann, wenn man selbst über die Fragen nur geschockt ist und eine gewisse Aggressivität ausleben möchte.
Für das Einholen der Kostenvoranschläge habe ich mehr als 6 Mails an verschiedene Transportunternehmen im Kreis Unna versendet.
Etliche Transportunternehmen haben sich gar nicht gemeldet. Zwei Transportunternehmen haben sinngemäß geantwortet, dass sie den Transport nicht durchführen können, weil sie keine Kapazitäten oder keine entsprechenden Fahrzeuge haben.
Besonders gut und nicht für die DRV zu gebrauchen waren die Kostenvoranschläge als Inline-Antwort per Mail (Screenshot der Mailantwort):

Ein Transportunternehmen hat einen sehr merkwürdigen Kostenvoranschlag erstellt. Auf meine Nachfrage, ob das die Kosten für eine einfache Fahrt oder für Hin- und Rückfahrt an verschiedenen Tagen ist, wurde ich dann noch beleidigt.
Was soll ich dazu sagen? Nach DRV ist ja das Einholen von Kostenvoranschlägen ganz problemlos möglich. Dass damit die Vor-Ort-Mobilität beim Kunden nicht gegeben ist, wird kurzum vernachlässigt. Ach, wie ich diese Bürokratie liebe… nicht!
Aber eines habe ich gelernt: ChatGPT ist echt ein wunderbares Tool, um seine Wut bezüglich solcher in meinen Augen unverschämter Fragen los zu werden und Unterstützung beim Formulieren zu bekommen!


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