Ich glaub‘, ich spinne

Ich glaub‘, ich spinne

Letzte Woche, auf dem Weg vom Tierarzt nach Hause, ist bei meinem Auto im Amaturenbrett eine Warnlampe angegangen.
Schnell war klar: ich fuhr nur noch einäugig, vorne auf der Beifahrerseite ist das Leuchtmittel defekt.

Freitag morgen habe ich dann beim ADAC angefragt. Nach Terminbestätigung kam dann auch der Mechaniker, schaute sich das an und sagte: „Das ist ein Xenon-Brenner. So einen habe ich gar nicht dabei. Am Besten machen sie einen Termin bei ihrem Autohändler aus. Aber nicht wundern, das Leuchtmittel kostet ca. 80 Euro“. 80 Euro für nen neues Leuchtmittel? Da habe ich schon geschluckt.

Am Freitag dann direkt beim VW-Autohaus Hülpert angerufen. Natürlich bin ich, wie sonst auch immer, dort zu dem Call-Center weitergeleitet worden. Ok, mein Anliegen vorgebracht und um einen Werkstatt-Termin gebeten. Da mein Auto als Nutzfahrzeug deklariert ist, wollte ich einen Termin bei Hülpert in Dortmund, Planetenfeldstraße haben. Die kennen mein Fahrzeug und es gibt da zwei eingewiesene Mitarbeiter, die das Fahrzeug zur Not nach Abschaltung der Umbauten fahren können.
Die Dame am Telefon meinte dann, dass sie mir für diese Woche Mittwoch, 06.11.2025, einen Termin anbieten könne. Das Auto müsste dann aber dort bleiben, da wahrscheinlich das Ersatzteil erst noch bestellt werden müsse. Mit einem zweitätigen Werkstatt-Termin müsste ich rechnen.
Daraufhin teilte ich der Dame mit, dass ich keinerlei Möglichkeiten habe, von Dortmund irgendwie nach Unna zu kommen: einen Leihwagen mit den Umbauten gibt es nicht, mit ÖPNV fahren ist ohne Begleitperson als „Rampenleger“ umöglich. Taxi würde als Krankentransport gehen, kostet aber dann gleich mehr als 50 Euro pro Fahrt und spontan fahren ist erfahrungsgemäß gar nicht möglich.
Mein Einwand, dass doch anhand der entsprechenden Kennummern für das Fahrzeug ein passendes Ersatzteil bestellt werden könne und ich dann vor Ort warte, bis das Auto repariert ist, wurde mit einem „Das kann ich leider nicht veranlassen, tut mir leid“ abgetan.

Die Zweigstelle Hülpert in Unna hatte einen Termin für heute, 05.11.2025. Ok, reserviert. Von dort kann ich mit dem Rollstuhl nach Hause, denn das sind nur knapp 2.5 km. Passt also.

Heute um 13:00 Uhr losgefahren; 13:15 Uhr angekommen – angemeldet. 15 Minuten Wartezeit war ja ok, immerhin hatte ich den Termin ja erst um 13:30 Uhr. Der Techniker oder die Servicekraft nahm dann meinen Reparaturwunsch auf. Dann sollte ich den Werkstattauftrag unterschreiben und stockte, als ich die erwarteten Kosten sah: knapp 450 Euro. Bitte was? 450 Euro für das Wecheln eines Leuchtmittels?

Ich fragte, ob der Preis korrekt sei. Der ADAC-Mitarbeiter hatte ja schon gesagt, dass das Leuchtmittel 80 Euro kostet — mit Einbau und VW-Preisen hatte ich schon mit 150-200 Euro gerechnet, aber fast 450 Euro? Mir wurde dann gesagt, dass alleine das Leuchtmittel für eine (!) Seite nach VW ca. 300 Euro kostet. Mit Austausch, Fehlerspeicher löschen und Überprüfung der Ausrichtung wären es nun halt 450 Euro.

Schockiert habe ich mich geweigert, den Reparaturauftrag zu unterschreiben. Ich bat den VW-Mitarbeiter darum, mir mitzuteilen, was für ein Xenon-Brenner denn genau da rein gehört und wollte diesen mir selbst besorgen, um ihn dann über den ADAC wechseln zu lassen. Der Mitarbeiter verschwand kurz und kam mit einem Blatt Papier wieder.
Auf dem Blatt Papier war ein unscharfer Brenner abgebildet und die VW-interne Ersatzteilnummer — mit der keiner ausser VW etwas anfangen kann. Ich fragte nach der Produktbezeichnung — ob es ein Brenner D3S sei, wie im Internet vorgeschlagen. „Das kann ich ihnen nicht sagen, das ist die Nummer“ und zeigte wieder auf die interne Ersatzteilnummer.
Ich bedankte mich und verließ das Autohaus — kopfschüttelnd.

Noch auf dem Parkplatz habe ich ATU angerufen. Nachgefragt, wie teuer dort die Reparatur wäre. Direkt wurden die Fahrzeugdaten nach Fahrzeugschein erfragt und nach wenigen Minuten die Auskunft erteilt, dass die Reparatur um die 150 Euro kosten würde. Genaueres könnte man aber erst nach einem Blick in den Motorraum sagen, denn es könnte ja auch etwas anderes defekt sein.
Ausgemacht, dass ich direkt von Hülpert aus zu ATU fahre, was eh auf dem Weg nach Hause liegt. Ein Blick durch einen Mitarbeiter in den Motorraum, das Leuchtmittel direkt rausgesucht. Kosten: aufgerundet 160 Euro.

Auftrag erteilt, gefragt, wann die Reparatur möglich ist. „Heute oder morgen, wenn sie das Auto hier lassen“. Dann habe ich denen gesagt, dass sie das Fahrzeug jedoch nicht fahren können — der Rollstuhl ist ja der Fahrersitz. Ein kurzes Gespräch und es wurde vereinbart: wenn das neue Leuchtmittel drin ist, dann ruft man mich an. Ich komme dann, fahre das Auto in die Box und es wird geschaut, ob der Scheinwerfer richtig eingestellt ist. Ich habe gefragt, ob es vielleicht noch heute möglich ist, denn morgen früh bin ich arbeiten und direkt danach ist ja der Tierarztkontrolltermin. „Versprechen können wir nichts, aber wir werden es versuchen“. Mit einem guten Gefühl bin ich mit Luna nach Hause gegangen.

Knapp 1,5 Stunden später der Anruf von ATU. Wie lange ich zu ihnen brauche — 20 Minuten. Das passt – bis gleich. Luna den Schutzschuh und die Kenndecke angezogen, mir die Jacke und nach ATU gegangen. Dort bezahlt, in die Box zum Einstellen der Scheinwerfer und wieder nach Hause.

17:00 Uhr: wir sind wieder zu Hause, das Auto ist repariert. Ich bin 170 Euro ärmer, da ich neben der Rechnung den ATU-Mitarbeitern noch etwas Trinkgeld für die Kaffeekasse gegeben habe — immerhin haben sie das Auto ohne Termin innerhalb weniger Stunden repariert. Und 170 Euro inklusive Trinkgeld sind doch deutlich angenehmer als 450 Euro und zwei Tage ohne Auto.

Luna und ich betreten das Haus und Luna ist direkt nervös. Nicht unsere zwei Katzen Lilly und Murphy begrüssen uns, sondern im Treppenhaus flattert aufgeregt eine Blaumeise, während Murphy sie anschaut und mit dem Schwanz wedelt. Wie bitte ist denn die Meise in unser Haus gekommen? Und vor allen Dingen: wie lange ist sie schon im Haus?
Durch Luna und Murphy angetrieben, ist die Meise ins Obergeschoss geflogen. Ein Kater ist doch ganz praktisch für die Ortung von Vögeln im Haus. Fenster auf und mit Wäschekorb versucht, die Meise nach draußen zu bekommen. Nach einigen Versuchen hat es geklappt — und ich bin froh, dass nicht auch Murphy durch das offene Fenster hinterher gesprungen ist. Meise wieder draußen, Murphy, Lilly und Luna im Haus. Fenster geschlossen. Nun ist erst mal Durchatmen angesagt.

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